BaPsy-Bewerbung

Warum ein schlechtes Gefühl nach dem BaPsy wenig aussagt

Warum Unsicherheit nach dem Test normal ist, weshalb Zeitdruck keine verlässliche Diagnose erlaubt und warum erst das tatsächliche Ergebnis zählt.

Der BaPsy ist vorbei. Vielleicht hast du den Testsaal mit einem guten Gefühl verlassen. Vielleicht aber auch mit dem Eindruck, dass vieles nicht optimal gelaufen ist. Genau dieses Gefühl kann sehr belastend sein.

Video: Prof. Dr. Oliver Dickhäuser stellt dar, welche Erfahrungen von Teilnehmenden nach Absolvieren des BaPsy immer wiederkehren.

Kurzfassung Was nach dem Testgefühl wichtig ist

Ein schlechtes Gefühl nach dem BaPsy ist verständlich. Es ist aber kein Ergebnis. Direkt nach dem Test kennst du weder deine tatsächliche Punktzahl noch die Leistungen der anderen Teilnehmenden.

Zeitdruck, nicht bearbeitete Aufgaben und Gespräche mit anderen können stark verunsichern. Erst das offizielle Ergebnis und seine Einordnung im Auswahlverfahren erlauben eine fundierte Einschätzung.

Viele Teilnehmende berichten nach dem Test von ähnlichen Gedanken:

  • “Ich habe viel zu viele Aufgaben nicht geschafft.”
  • “Die anderen waren bestimmt viel besser.”
  • “Ich habe so viele Fehler gemacht.”
  • “Das wird niemals für einen Studienplatz reichen.”

Solche Gedanken sind verständlich. Aber sie erlauben nur sehr eingeschränkt eine zuverlässige Einschätzung darüber, wie gut du tatsächlich abgeschnitten hast.

Das Gefühl nach dem Test ist kein Ergebnis

Nach dem BaPsy versuchen viele sofort einzuschätzen, wie sie abgeschnitten haben. Das Problem dabei: Niemand kennt zu diesem Zeitpunkt das tatsächliche Ergebnis.

Du kennst nicht,

  • wie viele Aufgaben du wirklich richtig beantwortet hast,
  • wie schwierig die Aufgaben für die anderen Teilnehmenden waren,
  • wie viele Aufgaben andere Personen bearbeitet haben,
  • wie die Verteilung der Leistungen aussieht.

Trotzdem entsteht häufig schon wenige Minuten nach dem Test ein scheinbar sehr sicheres Gefühl.

Dieses Gefühl ist menschlich. Aber es ist kein Ersatz für das tatsächliche Ergebnis.

Die wichtigste Unterscheidung

Ein Gefühl nach dem Test ist eine subjektive Momentaufnahme. Das BaPsy-Ergebnis ist dagegen eine Auswertung deiner tatsächlichen Leistung im Vergleich zu den Leistungen anderer Teilnehmender.

Viele unterschätzen ihre Leistung

Aus Prüfungen, Klausuren und Leistungstests ist seit Langem bekannt, dass das subjektive Erleben und die tatsächliche Leistung nicht immer eng zusammenhängen.

Gerade anspruchsvolle Aufgaben erzeugen häufig Unsicherheit. Wer hohe Ansprüche an sich selbst hat, erinnert sich nach dem Test oft besonders an die Aufgaben, die nicht funktioniert haben, und weniger an die vielen Aufgaben, die erfolgreich bearbeitet wurden.

Dadurch entsteht leicht der Eindruck, insgesamt schlecht gewesen zu sein.

Zeitdruck bedeutet nicht automatisch schlechte Leistung

Ein besonders häufiges Thema beim BaPsy ist der Zeitdruck.

Viele Teilnehmende berichten, dass sie nicht alle Aufgaben bearbeiten konnten. Manche verlassen den Test deshalb mit dem Gefühl, versagt zu haben.

Dabei ist wichtig zu wissen: Der BaPsy ist kein Test, bei dem man alle Aufgaben schaffen muss.

Dass Aufgaben unbearbeitet bleiben, ist für viele Teilnehmende normal.

Entscheidend ist nicht, ob du jede Aufgabe geschafft hast, sondern wie deine Leistung im Vergleich zu den Leistungen der anderen Teilnehmenden einzuordnen ist.

Die Zahl der unbearbeiteten Aufgaben allein erlaubt deshalb keine zuverlässige Aussage über das spätere Ergebnis.

Merke dir

Nicht jede unbearbeitete Aufgabe ist ein Zeichen für ein schlechtes Ergebnis. In einem anspruchsvollen Auswahltest gehört Zeitdruck zur Testsituation.

Der soziale Vergleich ist oft irreführend

Nach dem Test wird häufig mit anderen gesprochen.

Manche berichten, dass sie fast alles geschafft hätten. Andere erzählen von besonders schwierigen Aufgaben oder geben Schätzungen zu ihren Punktzahlen ab.

Solche Gespräche können beruhigen. Sie können aber auch verunsichern.

Denn du kennst weder die tatsächlichen Leistungen noch weißt du, ob sich andere Personen realistisch einschätzen. Menschen unterscheiden sich darin, wie vorsichtig oder wie optimistisch sie ihre eigene Leistung beurteilen.

Deshalb liefern Gespräche nach dem Test häufig mehr Unsicherheit als Klarheit.

Ein gutes Gefühl garantiert keine Zulassung

Umgekehrt gilt übrigens ebenfalls: Auch ein sehr gutes Gefühl nach dem Test garantiert keinen Studienplatz.

Die Zulassung hängt nicht nur von deiner Leistung im BaPsy ab.

Je nach Universität spielen unter anderem

  • die Abiturnote,
  • die Gewichtung des BaPsy,
  • mögliche Zusatzkriterien
  • und die Leistungen der übrigen Bewerberinnen und Bewerber

eine Rolle.

Ein gutes Gefühl ist deshalb ebenso wenig eine Garantie wie ein schlechtes Gefühl ein Grund zur Verzweiflung ist.

Was kannst du stattdessen tun?

Nachdem der Test vorbei ist, lässt sich das Ergebnis ohnehin nicht mehr beeinflussen.

Es kann deshalb sinnvoller sein,

Erst wenn die tatsächlichen Ergebnisse vorliegen, ist eine fundierte Einordnung möglich.

Nach dem BaPsy hilfreich

Erholung ist kein verlorener Tag. Nach einer anspruchsvollen Testsituation braucht es oft Abstand, bevor Entscheidungen wieder nüchtern möglich sind.

Für die Bewerbung zählen jetzt überprüfbare Informationen: Fristen, Zulassungssatzungen, Hochschulstart und später das tatsächliche Testergebnis.

Fazit

Ein schlechtes Gefühl nach dem BaPsy ist verständlich. Aber es sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie du tatsächlich abgeschnitten hast.

Viele Teilnehmende verlassen den Test mit Unsicherheit. Das allein erlaubt jedoch keine zuverlässige Vorhersage über die spätere Zulassung.

Nicht das Gefühl unmittelbar nach dem Test entscheidet, sondern das tatsächliche Ergebnis und dessen Einordnung im Auswahlverfahren.

Bis dahin gilt:

Ein schlechtes Gefühl ist kein Ergebnis.

Und Unsicherheit nach einem anspruchsvollen Test ist etwas ganz Normales.

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OD
Prof. Dr. Oliver Dickhäuser

Professor für Pädagogische Psychologie

Oliver Dickhäuser ist Autor offizieller BaPsy-Vorbereitungsmaterialien und erklärt Aufgabenformate, Trainingsmöglichkeiten, sowie Potentiale und Grenzen sinnvoller Vorbereitung.