Lernpsychologie

Warum Übungslernen dein bester Freund für den BaPsy-Test ist

Ein wissenschaftlich fundierter Blick darauf, wie du Wissen wirklich abrufbar machst – erklärt von einem Psychologieprofessor.

Wenn du dich gerade auf den BaPsy-Auswahltest vorbereitest, hast du vermutlich Instruktionen zu den einzelnen Testteilen gelesen, Videos zu Strategien geschaut und dir schon einige Aufgaben und Lösungsbeispiele zu Gemüte geführt. Doch eine zentrale Frage bleibt: Wie lernst du so, dass dein Können im Test tatsächlich bestmöglich abrufbar ist? In der Lernpsychologie gibt es darauf eine klare Antwort – und sie könnte deine gesamte Vorbereitung verändern.

Was Roediger & Karpicke (2006) herausfanden

In einer der einflussreichsten Studien der modernen Gedächtnisforschung ließen die Lernforscher Henry Roediger und Jeffrey Karpicke Studierende Texte lernen. Die Gruppen unterschieden sich nur in einer Sache:

  • Gruppe A: Wiederholtes Lesen
  • Gruppe B: Einmal lesen, danach üben – also Inhalte aktiv abrufen

Zunächst beobachtenten die Forscher, dass direkt nach dem Lernen die Gruppe A (wiederholtes Lesen) besser abschnitt. Aber einige Tage später zeigte sich ein fundamental gegensätzlicher Befund. Die Gruppe B (Übungslernen) zeigte höhere Leistung. Das liegt vor allem adaran:

Lernen durch Abrufen (engl. retrieval) führte zu deutlich besserem langfristigen Behalten

Für den BaPsy bedeutet das: Noch einmal lesen bringt dich nicht annähernd so weit wie echtes Üben. Auch wenn sich das erneute Lernen kurzfristig lernwirksam anfühlt, so verschwindet dieser Effekt nach kurzer Zeit.

Schematische Darstellung zum Effekt von Übungslernen

Warum Übungslernen so wirkungsvoll ist

1. Abrufen stärkt das Gedächtnis

Wenn du versuchst, Wissen aktiv zu rekonstruieren, trainiert dein Gehirn die entsprechenden Gedächtnisspuren – wie einen Muskel. Jeder erfolgreiche Abruf macht das Wissen stabiler.

2. Fehler sind wertvolle Lernmomente

Beim Lernen haben Fehler einen schlechten Ruf – völlig zu Unrecht. Falsche Antworten können einen starken Lernimpuls liefern. Die Korrektur verankert das Wissen tiefer, als es Lesen je könnte.

3. Üben ist testnah

Der BaPsy besteht aus Aufgaben. Üben simuliert die tatsächliche Prüfungssituation. Aber denke immer daran: Keine der verfügbaren Übungsmaterialien kann 1:1 die Testsitutation nachbilden.

4. Üben deckt Wissenslücken ehrlich auf

Lesen erzeugt das Gefühl „Ich kenne das doch“. Dies erklärt auch, warum Lernenden beim wiederholten Lesen höhere Selbsteinschätzungen abgeben als beim Übungslernen. Jedoch erst beim Abrufen zeigt sich, ob der Stoff wirklich sitzt.

Was bedeutet das für deine BaPsy-Vorbereitung?

Hier sind drei Strategien, die dir helfen:

1. Teste dich selbst

Bearbeite Übungsaufgaben anstatt dich nur mit den Anforderungen des Tests vertraut zu machen. Nur so erlernst du die für den BaPsy förderlichen Strategien bestmöglich und kannst mit den testspezifischen Anforderungen besser zu recht kommen.

2. Erkläre dir selbst die Lösungen

Aktiver Abruf wirkt stärker, wenn du deine Gedanken elaborierst. Erkläre laut oder schriftlich, warum eine Antwort richtig ist oder warum eine andere Antwort falsch ist. So baust du tiefes Verständnis auf, dass du dann auf neue Aufgaben transferieren kannst.

3. Mische Themen (Interleaving) und lerne verteilt

Übe nicht eine Stunde lang nur einen Aufgabentyp. Wechsle zwischen Übungsaufgaben zu verschiedenen Testteilen, damit dein Gehirn jedes Mal neu entscheiden muss, welches Wissen und welche Strategie relevant ist und im Test schneller und zuverlässiger arbeiten kann. Im übrigen gilt auch: nicht alleine auf die Menge des Lernens kommt es an, sondern richtig zu lernen. Dazu gehört auch eine sinnvolle Verteilung der Lernaktivitäten

Ein realistisches Beispiel

Angenommen, du löst Aufgaben zum verbalen Schlussfolgern und scheiterst an bestimmten Mustern. Viele interpretieren das als mangelnde Fähigkeit – in Wirklichkeit ist es aber unter Umständen ein idealer Lernmoment um noch nicht verinnerlichte Strategien zur trainieren:

  • Beim reinen Lesen der Strategien wäre dir die Schwierigkeit nicht aufgefallen.
  • Beim Üben erkennst du deine Lücken präzise.
  • Jede Korrektur stärkt deine Problemlösefähigkeit.

Kurz gesagt: Dein Gehirn lernt am stärksten genau dann, wenn es sich anstrengen muss.

Wichtigste Erkenntnis

Üben ist kein Begleitschritt – es ist der zentrale Lernmechanismus.

Fazit: Übe – und übe aktiv

Die Forschung ist eindeutig: Aktives Abrufen schlägt passives Wiederholen. Wenn du im BaPsy dein Potenzial abrufen willst, nutze Tests nicht als Abschluss, sondern als Lernmethode um die testspezifischen Anforderungen zu meistern.

Dein zukünftiges Ich am BaPsy Testtag wird dir dankbar sein.

Literaturverweise

  1. Roediger, H. L., III, & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249-255.
  2. Karpicke, J. D., & Roediger, H. L., III. (2008). The critical importance of retrieval for learning. Science, 319(5865), 966-968.
  3. Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students’ learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4-58.
MJ
Jun. Prof. Dr. Marc Philipp Janson

Tenure-Track-Professor für Lehr-Lernpsychologie

Marc Philipp Janson forscht zum selbstregulierten Lernen in digitalen Lernumgebungen.