Wenn man sich auf den BaPsy vorbereitet, taucht fast automatisch die Frage auf: Kann ich hier überhaupt viel rausholen oder zeigt der Test am Ende einfach nur, wie intelligent ich bin? Die Studie, auf die sich dieser Beitrag stützt, zeichnet ein eindeutiges Bild: Gezielte Lernvideos können dabei unterstützen, kognitive Potentiale in Tests gut auszuschöpfen.
Video: Prof. Dr. Oliver Dickhäuser erklärt, was experimentelle Studien über die Wirksamkeit der offiziellen BaPsy-Vorbereitungsvideos zeigen.
Viele Bewerber:innen fragen sich, ob der BaPsy einfach ein „Intelligenztest“ ist oder ob man sich wirklich darauf vorbereiten kann. Die Antwort lautet: Ja, bestimmte Teile des BaPsy sind trainierbar.
Schon ein einziges, gut gemachtes Lernvideo, das typische Regeln und Strategien erklärt, kann dazu führen, dass Teilnehmer:innen im schlussfolgernden Denken mehrere Aufgaben zusätzlich richtig lösen, ohne dass der Test dadurch seinen Anspruch verliert.
Entscheidend ist, dass es sich um regelbasiertes Training handelt: Du lernst, wie Aufgaben aufgebaut sind, welche Denkregeln dahinterstecken und wie du sie systematisch anwenden kannst.
Kurzer Kontext: Was der BaPsy eigentlich misst
Der BaPsy-DGPs ist der bundesweite Studieneignungstest für das Bachelorstudium Psychologie. Viele Hochschulen nutzen ihn zusätzlich zur Abiturnote, um darüber zu entscheiden, wer einen der begrenzten Studienplätze erhält. Die Grundidee dahinter: Es soll nicht nur zählen, wie gut du in Klausuren und mündlichen Prüfungen warst, sondern auch, wie du typische psychologische Denkaufgaben bewältigst.
Im Test werden unter anderem schlussfolgerndes Denken (verbal, numerisch, figural), das Verstehen psychologischer Fachtexte und mathematische Grundkenntnisse geprüft. Das schlussfolgernde Denken, also deine Fähigkeit, aus Regeln und Informationen neue Schlüsse zu ziehen, gilt neben anderen Fähigkeiten als besonders relevant für das spätere Studium.
Gleichzeitig ist es genau dieser Teil, bei dem viele das Gefühl haben: „Entweder man kann sowas oder eben nicht.“ Genau hier setzt die Studie an und fragt: Stimmt das wirklich oder kann man diese Leistung durch kluges Training verbessern?
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Der BaPsy soll deine Eignung für ein Psychologiestudium erfassen, nicht nur Schulwissen abprüfen.
Dass es Vorbereitungsvideos gibt, ist kein Widerspruch dazu, sondern Teil einer transparenteren und faireren Auswahl: Alle bekommen Zugang zu denselben Informationen über Aufgabenformate und Strategien.
Die Studie: Was wurde genau untersucht?
In zwei experimentellen Studien nahmen insgesamt 265 Schüler:innen der gymnasialen Oberstufe teil. Alle sahen zunächst ein Lernvideo, bearbeiteten danach BaPsy-nahe Aufgaben und wurden per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt: Entweder sie sahen ein aufgabenrelevantes Video, das Regeln und Strategien für den anschließenden Aufgabentyp erklärte, oder ein aufgabenirrelevantes Video, das thematisch zwar interessant, für die konkrete Aufgabe aber wenig hilfreich war.
Anschließend bearbeiteten alle Teilnehmenden Aufgaben aus dem Bereich schlussfolgerndes Denken, die sich eng an den BaPsy anlehnten. Es ging also nicht um beliebige Intelligenztests, sondern um Aufgabenformate, wie sie tatsächlich im Auswahltest vorkommen.
Zwei Teilstudien, zwei Arten von Denken
In Studie 1 stand das verbale Schlussfolgern im Mittelpunkt: logische Aussagen mit „und“, „oder“, „genau dann, wenn“ und ähnlichen Operatoren, so wie sie auch im BaPsy abgefragt werden. Das Video erklärte diese Operatoren und zeigte, wie man systematisch mit ihnen umgeht.
In Studie 2 ging es um figural-logisches Denken: Matrizenaufgaben, bei denen du Regeln wie Rotation, Addition oder Schnittmenge von Formen erkennen musst. Das Video stellte sechs typische Regeltypen vor und zeigte Beispiele, wie sich diese in Aufgaben wiederfinden.
In beiden Fällen ging es nicht um Tricks, sondern um Regeln und Strategien, die helfen, die Struktur einer Aufgabe zu erkennen und zielführend zu nutzen.
Die Kontrollgruppe blieb dabei keineswegs „unversorgt“. Sie sah ebenfalls ein Video, zum Beispiel zu Prüfungsangst oder zu einer anderen Art von Aufgaben. So lässt sich gut überprüfen, wie stark die inhaltliche Passung des Videos wirklich ins Gewicht fällt.
Schüler:innen der gymnasialen Oberstufe, also sehr nah an der Zielgruppe des BaPsy.
Großer Effekt: Nach Video im Schnitt fast drei verbal-logische Aufgaben mehr richtig.
Sehr großer Effekt: Im figuralen Bereich fast fünf Matrizenaufgaben mehr richtig.
Was bedeutet das für die Trainierbarkeit des BaPsy?
Die Ergebnisse legen nahe, dass schlussfolgerndes Denken im BaPsy kein völlig fixes Talent ist. Die Teilnehmenden, die das aufgabenrelevante Video sahen, schnitten signifikant besser ab als diejenigen mit dem irrelevanten Video, und das, obwohl es nur ein kurzes, einmaliges Training war.
Wichtig ist: Die Videos erklären Strukturen, nicht Cheats. Sie zeigen, welche logischen Operatoren im BaPsy vorkommen, welche Muster in Matrizenaufgaben typisch sind und wie man diese systematisch analysiert. Damit fördern sie genau die Art von Denken, die der Test eigentlich erfassen soll.
Spannend ist außerdem: Andere Untersuchungen finden, dass zwar die Testwerte insgesamt steigen, die Rangordnung der Personen aber weitgehend erhalten bleibt. Wer vorher im oberen Bereich lag, liegt auch danach meist vorne, nur auf einem allgemein höheren Leistungsniveau. Das spricht dafür, dass solche Videos eher helfen, dein Potenzial besser auszuschöpfen, als die Eignungsmessung zu verzerren.
Was heißt das für die Fairness?
Wenn alle dieselben, qualitätsgesicherten Materialien nutzen können, spricht das eher für Chancengleichheit als dagegen. Statt teure Coachings buchen zu müssen, erhalten alle die gleiche Einführung in die Aufgabenformate und Strategien.
Gute Vorbereitungsmaterialien sind in diesem Sinne kein unfairer Boost, sondern können helfen, Unterschiede in der Informationslage auszugleichen.
Ganz konkret: Wie kannst du das für deine Vorbereitung nutzen?
Die wichtigste Botschaft der Studie für dich: Du bist deiner Leistung im BaPsy nicht einfach ausgeliefert. Du kannst deine Fähigkeiten im schlussfolgernden Denken gezielt stärken, und zwar mit überschaubarem Aufwand, wenn du die richtigen Materialien nutzt.
Ein sinnvoller Weg besteht darin, erst zu verstehen, wie die Aufgaben funktionieren, dann gezielt zu üben und das Ganze schließlich unter Testbedingungen zu stabilisieren. Strategietraining und gut abgestimmte Übungsaufgaben ergänzen sich dabei ideal.
1. Verstehen
Schau dir regelbasierte Erklärvideos zum verbalen und figuralen Schlussfolgern aktiv an. Pausiere, halte wichtige Regeln fest und formuliere sie in eigenen Worten.
2. Anwenden
Bearbeite passende Übungsaufgaben und frage dich bei jedem Item: Welche Regel aus dem Video steckt hier drin und wie nutze ich sie, um die richtige Lösung zu finden?
3. Stabilisieren
Wiederhole die wichtigsten Aufgabentypen verteilt über mehrere Tage. So bleiben die Strategien abrufbar, auch wenn im echten Test Zeitdruck und Nervosität dazukommen.
Wichtig ist: Solche Videos ersetzen nicht alles. Deine Lesekompetenz, deine Mathe-Basics und dein Umgang mit Prüfungsstress bleiben ebenfalls entscheidend. Aber sie können dafür sorgen, dass du in den schlussfolgernden Aufgaben nicht an den Regeln scheiterst, sondern zeigen kannst, was in dir steckt.
Was du aus der Studie mitnehmen kannst
Der BaPsy ist in Teilen trainierbar, vor allem im Bereich schlussfolgerndes Denken.
Schon ein einziges gutes Lernvideo kann dir mehrere zusätzliche richtige Antworten bringen.
Wenn alle Zugang zu denselben Materialien haben, kann das die Chancengleichheit eher erhöhen als senken.
Fazit
Der BaPsy ist kein Test, bei dem man durch beliebige Tricks plötzlich ein garantiertes Ergebnis bekommt. Aber er ist auch kein Schicksal. Gerade im schlussfolgernden Denken können gut erklärte Regeln, passende Beispiele und systematische Übung helfen, vorhandenes Potenzial besser auszuschöpfen.
Die realistische Antwort lautet deshalb: Ja, der BaPsy ist in Teilen trainierbar. Sinnvolle Vorbereitung verspricht keine Wunder, aber sie kann dir helfen, Aufgabenformate zu verstehen, Strategien sicherer anzuwenden und im Test nicht an vermeidbaren Hürden zu scheitern.