Lernpsychologie

Warum Songtexte beim BaPsy-Lernen stören können

Der Irrelevant-Speech-Effekt erklärt, warum Musik mit verbalen Inhalten deine Vorbereitung ausbremsen kann – mit einer wichtigen Ausnahme.

Viele lernen gern mit Musik. Das ist verständlich: Musik kann den Einstieg erleichtern, Stimmung regulieren und lange Lernphasen weniger trocken wirken lassen. Für die BaPsy-Vorbereitung gibt es aber eine wichtige Einschränkung: Musik mit Songtexten ist bei vielen Aufgabentypen keine neutrale Hintergrundkulisse.

Der Grund dafür ist ein gut untersuchtes Phänomen der Gedächtnispsychologie: der Irrelevant-Speech-Effekt.

Was ist der Irrelevant-Speech-Effekt?

Der Irrelevant-Speech-Effekt beschreibt, dass sprachliche Hintergrundgeräusche die Leistung bei Aufgaben verschlechtern können, bei denen Informationen kurzfristig behalten, geordnet oder innerlich wiederholt werden müssen.

Wichtig ist: Die Sprache muss gar nicht relevant sein. Sie muss nicht einmal bewusst beachtet werden. Schon ein Gespräch im Hintergrund, ein Podcast im Nebenzimmer oder Musik mit verständlichen Songtexten kann ausreichen, um das Arbeitsgedächtnis zu belasten.

Das ist besonders dann problematisch, wenn du innerlich selbst mit Sprache arbeitest: Du liest eine Aufgabe, hältst Bedingungen im Kopf, wiederholst eine Regel, vergleichst Antwortoptionen oder merkst dir Zwischenschritte.

Warum Songtexte so ungünstig sind

Beim Lernen läuft oft ein stiller innerer Sprachprozess mit. Du liest nicht nur mit den Augen, sondern sprichst Inhalte innerlich mit. In der Kognitionsforschung nennt man dies die s.g. phonologische Schleife. Genau dieser Mechanismus hilft dir, Sätze, Regeln, Zahlenfolgen oder logische Bedingungen kurz verfügbar zu halten.

Songtexte konkurrieren mit dieser phonologischen Schleife.

Das Problem ist nicht, dass du „zu wenig Willenskraft“ hast. Dein Gehirn verarbeitet sprachähnliche Reize automatisch. Wenn im Hintergrund gesungen wird, bekommt dein Arbeitsgedächtnis eine zweite verbale Spur angeboten, die nichts mit der Aufgabe zu tun hat. Dadurch wird es schwieriger, die relevante Spur stabil zu halten.

Was das konkret für den BaPsy bedeutet

Beim BaPsy geht es nicht nur darum, Wissen wiederzuerkennen. Du musst Aufgaben präzise lesen, Informationen kurzfristig speichern und Denkoperationen sauber ausführen.

Besonders anfällig für Musik mit verbalem Inhalt sind deshalb Lernphasen mit:

  • Textverständnis
  • mathematischen Aufgaben
  • verbalen Schlussfolgerungen
  • dem Einprägen von Regeln, Definitionen oder Strategien
  • dem Nachvollziehen von Lösungen bei Übungsaufgaben

In all diesen Situationen arbeitest du zumindest teilweise mit sprachlich kodierten Informationen. Genau dort können Songtexte stören.

„Aber die Musik motiviert mich doch“

Das kann stimmen. Musik kann helfen, Stimmung zu regulieren und auch motivationsfördernd sein. Der entscheidende Punkt ist aber: Motivation beim Start und kognitive Leistung während der Aufgabe sind zwei verschiedene Dinge.

Eine sinnvolle Lösung ist deshalb nicht zwingend komplette Musikabstinenz, sondern eine klare Trennung:

  • Musik mit Songtexten für Pausen, Aufräumen und Freizeit
  • instrumentale, gleichmäßige Musik für leichte Routinetätigkeiten
  • Stille oder nichtsprachliche Geräusche für anspruchsvolle BaPsy-Aufgaben

Wenn du Musik brauchst, wähle eher ruhige instrumentale Tracks ohne Gesang, ohne Rap, ohne gesprochene Samples und ohne Werbeunterbrechungen.

Aber was ist mit nicht-sprachlichen Aufgaben im figuralen Testteil?

Vielleicht fragst du dich, ob beim figuralen Testteil die Musik dann unproblematisch ist, weil dieser nicht sprach-gebunden ist. Hier stehen visuell-räumliche Muster, Formen, Relationen und Transformationen im Vordergrund. Diese Aufgaben belasten weniger direkt die phonologische Schleife, also den Teil des Arbeitsgedächtnisses, der sprachliche Informationen kurzfristig hält, sondern den s.g. visuell-räumlichen Notizblock.

Deshalb ist Musik mit verbalen Inhalten hier weniger eindeutig problematisch als bei Text-, Logik- oder Rechenaufgaben.

Aber: Weniger eindeutig heißt nicht automatisch sinnvoll. Auch beim figuralen Testteil kann Musik stören, wenn sie deine Aufmerksamkeit bindet, starke Emotionen auslöst, dich zum Mitsingen bringt oder rhythmisch so auffällig ist, dass du nicht mehr sauber auf die Muster schaust.

Aber mach doch selbst ein kleines Experiment draus:

Wenn du beim figuralen Üben Musik hörst, teste es nüchtern: gleiche Aufgabenanzahl, gleiches Zeitlimit, einmal mit Musik, einmal ohne. Entscheidend ist nicht, was sich angenehm anfühlt, sondern was deine Trefferquote und Bearbeitungszeit verbessert.

Eine pragmatische Lernregel

Für die BaPsy-Vorbereitung kannst du dir diese einfache Regel merken:

Alles, was Sprache braucht: Musik nur ohne Songtexte

Sobald du liest, rechnest, Regeln vergleichst oder Lösungen erklärst, sollte keine zusätzliche Sprache im Hintergrund laufen.

Alles, was nicht verbal ist: vorsichtig testen

Beim figuralen Testteil kann Musik weniger störend sein. Trotzdem solltest du sie nur nutzen, wenn deine Leistung unter Zeitdruck nicht sinkt.

Alles, was prüfungsnah ist: möglichst still

Je näher du an echten Testbedingungen übst, desto wichtiger wird Stille. Im Auswahltest wird keine persönliche Playlist laufen. Deine Vorbereitung sollte deshalb regelmäßig ohne Musik stattfinden.

Fazit: Schütze dein Arbeitsgedächtnis

Musik mit Songtexten fühlt sich oft harmlos an, ist aber beim BaPsy-Lernen häufig kognitiver Zusatzballast. Der Irrelevant-Speech-Effekt zeigt: Sprache im Hintergrund kann genau die Prozesse stören, die du für viele Testteile brauchst.

Für die meisten BaPsy-Lernphasen ist die beste Playlist deshalb ziemlich einfach: keine Stimmen, keine Lyrics, keine Podcasts – und bei prüfungsnahen Durchläufen am besten Stille.

Literaturverweise

  1. Salamé, P., & Baddeley, A. D. (1989). Effects of background music on phonological short-term memory. The Quarterly Journal of Experimental Psychology Section A, 41(1), 107-122. https://doi.org/10.1080/14640748908402355
  2. Jones, D. M., Madden, C., & Miles, C. (1992). Privileged access by irrelevant speech to short-term memory: The role of changing state. The Quarterly Journal of Experimental Psychology Section A, 44(4), 645-669. https://doi.org/10.1080/14640749208401304
  3. Perham, N., & Vizard, J. (2011). Can preference for background music mediate the irrelevant sound effect? Applied Cognitive Psychology, 25(4), 625-631. https://doi.org/10.1002/acp.1731
  4. Baddeley, A. D., & Hitch, G. J. (1974). Working memory. In G. H. Bower (Ed.), The Psychology of Learning and Motivation (Vol. 8, pp. 47-89). Academic Press.
MJ
Jun. Prof. Dr. Marc Philipp Janson

Tenure-Track-Professor für Lehr-Lernpsychologie

Marc Philipp Janson forscht zum selbstregulierten Lernen in digitalen Lernumgebungen.